Seichte Unterhaltung mit Effektemassaker

2002-05-16

Imperial Stormtrooper0:01 Uhr, ich sitze im Kino, gut ausgeruht und warte entspannt auf den Beginn der Episode 2, dem nunmehr eigentlich 5. Teil der Star Wars Sage.
2:45 Uhr ich sitze immer noch im Kino, leicht schläfrig und wütend über den eben gesehenen Film.

Die Handlung

Königin Amidalas Amtszeit ist abgelaufen und sie hat nun einen Senatsposten, in Ausübung dessen sie beinahe einem Attentat zum Opfer fällt. Zu ihrem Schutz werden die beiden Jedi Anakin Skywalker und Obi Wan Kenobi herbei gerufen. Nach einem wiederum vereitelten Anschlag macht sich Obi Wan auf die Suche nach dem Attentäter und Anakin fliegt zusammen mit Amidala nach Naboo um sie zu beschützen. Während Obi Wan auf einem, im Kartensystem der Republik nicht verzeichneten Planeten, eher unabsichtlich eine Klonarmee inspiziert, trifft er auf Jango Fett, einen bösen Kopfgeldjäger, der für Count Dooku [gesprochen Duku] einen abtrünnigen alten Padawan von Yoda. Währenddessen kommen sich Padme Amidala und Anakin Skywalker immer näher doch vereinbaren, dass sie sich nicht verlieben werden, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Eines nachts wacht Anakin schweißgebadet auf, er träumte von seiner Mutter Shmy Skywalker, welche in großer Gefahr schwebt. Er reist zusammen mit Padme fort um seine Mutter zu suchen und langsam gewinnt die Dunkle Seite in ihm an Macht… Wie es weiter geht müsst ihr euch dann schon im Kino anschauen.

Die Charaktere

Wir haben es hier eigentlich im wesentlichen mit 3 Hauptdarstellern zu tun und einer Menge wichtiger Nebenfiguren.

– Anakin Skywalker (Hayden Christensen) ist der hochgesprossene aufmüpfige junge Padawan (Schüler) von Obi Wan Kenobi. Er verliebt sich in Padme Amidala und die beiden turteln die ganze Zeit herum, wogegen er immer mehr Mißmut gegenüber Obi Wan aufbringt. (Schönes Zitat von Obi Wan: “Wieso nur habe ich das Gefühl, dass du mein Tod sein wirst?”)
Der Schauspieler Hayden Christensen ist meiner Meinung nach eine komplette Fehlbesetzung, ebenso wie die deutsche Synchronstimme, die wirklich schrecklich nervig ist. Christensen ist zwar der eigentliche Held der Geschichte, aber trotzdem merkt man ihm die völlige Unerfahrenheit an. Er spielt wie ein kleines Kind, bringt keinerlei Charaktereigenschaften so richtig rüber und seine Mimik gleicht der einer Schaufensterpuppe auf dem Sperrmüll. Er ist mein größter Kritikpunkt am Film.

– Padme Amidala (Natalie Portman) ist die intelligente ehemalige Königin der Herzen, die sich jeder Gefahr stellen möchte und in jeder Szene andere Klamotten an hat. Im Angesicht des Todes gesteht auch sie Anakin ihre Liebe und tollt mit ihm zusammen über irgendwelche Wiesen. Ihr Charakter ist zum einen sehr stark und befehlsgewaltig, zum anderen ist sie die kleine verletzliche Prinzessin, die sich in ihren Beschützer verliebt. Portman spielt ihre Rolle sehr gut, leider färbt die Stupidität ihres Partners ab und zu auf sie ab, das kann aber auch so im Drehbuch gestanden haben.
– Obi Wan Kenobi (Ewan McGregor) der auch noch recht junge Jedimeister von Anakin spielt den ständig nörgelnden, immer alles besser wissenden Lehrer. Bis auf die Tatsache, dass Ewan McGregor kein besonders guter Darsteller ist, macht er seine Sache ganz gut. Man darf aber keine schauspielerischen Wunder erwarten, er tut aber sein Bestes und hüpft galant durch die Sets.

– Count Dooku (Christopher Lee) ist in diesem Teil noch der Oberbösewicht, der unglücklicherweise nicht besiegt werden kann und Anakin gleich mal ein bisschen in die Schranken weist und ihm eine Hand abschlägt. Als Darsteller besitzt er im Gegensatz zu seinen Kollegen das gewisse Etwas, was ihn wirklich das Böse verkörpern lässt.

Die Effekte

Relativ gesehen sind die Effekte richtig obermies. Hier wäre mal wieder weniger mehr gewesen.

Jeder zweite Charakter ist komplett am Computer erstellt, das muss doch nicht sein und vor allem dann nicht, wenn dabei teilweise etwas holprige Animationen heraus kommen.
Mein weiterer sehr großer Kritikpunkt des Filmes ist die Einfallslosigkeit der Raumschiffe. Alle, aber auch wirklich alle sind einfache simple rundgelutschte Flundern, die gegen jedes Gesetz der Aerodynamik und Gravitation verstoßen. Überall glitzert und reflektiert sich was, das ist richtig nervig.

Auch eine nicht so tolle Sache sind die geklauten Effekte. Die Verfolgungsjagd zu Beginn des Films ist ja wohl eindeutig beim Fünften Element abgeschaut, aber nahezu geklont um beim Thema zu bleiben. Des weiteren sind in der großen Schlacht gegen Ende des Films ständig irgendwelche Druiden oder Klonkrieger verschwunden, ohne jemals wieder aufzutauchen, sehr merkwürdig diese Form der digitalen Abtrünnigen.
Ein wirkliches Highlight ist der Kampf zwischen Yoda und Count Dooku, aber den müsst ihr euch einfach selbst anschauen, das hätte ich Yoda niemals zugetraut :-) “Zur dunklen Seite der Macht, er gewechselt ist!”

Die Musik

Wieder einmal hat der Gott der Kinomusik John Williams zugeschlagen und mit The Attack Of The Clones einen bombastischen Soundtrack hingelegt. Die 14 Titel auf dem Album sind alle hörenswert und untermalen den Film ebenso gut, wie es Williams auch in den anderen Teilen schaffte. In Episode 2 weicht er aber oftmals vom typischen Star Wars Thema ab, doch dies wirkt eher erfrischend als befremdlich.
Den Soundtrack gibt es für 15 EUR im gut sortierten Fachhandel.

Gesamteindruck
Mich hat der Film wirklich enttäuscht. Ich habe nach den Berichten anderer oder in Zeitungen mir wirklich viel erwartet von dem Film und wurde mit einer langweiligen Liebesschnulze mit Actionsequenzen abgespeist, das tue ich mir bestimmt nicht noch einmal an. Anschauen kann man sich den Film sicherlich, würde ich auch jedem raten, aber man darf nicht zu viel erwarten.

Das Problem der Story ist eben, dass sie schon feststeht, deshalb keinerlei wirkliche Spannungshöhepunkte oder Spannungsbögen hat und man somit leicht Gefahr läuft einzuschlafen, was George Lucas leider nicht zu unterbinden geschafft hat.
Also: Empfehlung ja, aber unter Vorbehalt!

In diesem Sinne, möge die Fortsetzung mit euch sein!
(c) 2002-05-16 bg

UPDATE:
And the winner of the golden Raspberry is…

Schlechtester Nebendarsteller:
Hayden Christensen/STAR WARS/EPISODE II: YADA-YADA-YODA
Schlechtester Regisseur:
George Lucas/STAR WARS/EPISODE II: ATTACK OF THE GROANS