Die Macht des Schweigens

2002-07-01

monstersball

Frau verliebt sich in Gefängniswärter und Exekutierer ihres Mannes. Das ist kurz gesagt die Story, die euch bei diesem Film erwartet. Klingt nicht sonderlich aufregend? – So klar kann man das aber gar nicht sehen, denn der Film lebt hauptsächlich von den Mimiken und Gestiken der Schauspieler, die Story ist eher nebensächlich.

Naja, sooo nebensächlich ist die Story natürlich nicht, aber sie gibt eigentlich nur ein klareres Bild über die Charaktere ab. Durch sie wird gezeigt, wie ähnlich sich Hank Grotowski (Billy Bob thornton) und Leticia Lawrence (Halle Berry) sind. Beide haben ihren Partner verloren, beide haben ihren Sohn verloren und beide sind schrecklich einsam und finden in einer wirklich sehr erotischen (FSK16???) Szene zusammen.

Story

Hank und sein Sohn Sunny sind Strafvollzugsbeamte und sind zuständig für die Exekutierung von Lawrence Musgrove. Dessen Frau Leticia lebt mit ihrem fresssüchtigen und stark übergewichtigen Sohn in einer kleinen Wohnung. Sunny gerät mit seinem Vater in einen Streit und beendet diesen indem er sich selbst erschießt. Der Sohn von Leticia kommt in einer Nacht bei einem Verkehrsunfall ums Leben und Hank hilft ihr dann etwas über den Schmerz hinweg. Es beginnt eine Affäre in der immer das dunkle Geheimnis steht, dass Hank ja Laticias Mann getötet hat. Ob das ein gutes Ende nehmen kann müsst ihr euch im Herbst dann selbst anschauen, wenn der Film in Deutschland in die Kinos kommt.

Die Charaktere

Billy Bob Thornton spielt den Hank im Film, einen Mann mittleren Alters, der vom Schrecken seines Berufs eingeholt wird. Er lebt mit seinem Vater zusammen und dieser bestimmt sein Leben, doch er versucht dieser Macht zu entfliehen, indem er schon sehr früh das Haus verlässt und viel Zeit auf Arbeit verbringt. B.B. Thornton spielt diesen Menschen mit einer hervorragenden Trockenheit, wenig Gefühlsregungen, doch die die er zeigt wirken echt. Man glaubt ihm den Charakter sofort und fühlt mit ihm.

Heath Ledger Fans sollten nicht zu viel von diesem Film erwarten, Sunny spielt nur im ersten viertel des Filmes eine Rolle. Er sieht ziemlich herunter gekommen aus und macht im ganzen überhaupt nicht den Eindruck eines Sunnyboys, wie ihn sein Vater nennt.

Halle Berry ist die Schauspielerin des Films!!! Sie spielt die Witwe von Lawrence Musgrove, Leticia, und lebt zusammen mit ihrem Sohn in einer Wohnung, die demnächst gepfändet wird, wenn sie nicht bezahlen kann. Als dann auch noch ihr Sohn nicht mehr bei ihr ist, weint sie sich an der Brust von Hank aus. Halle Berry spielt einfach nur perfekt und hat den Oskar für die Beste weibliche Hauptrolle wirklich verdient. Nie habe ich eine solche Emotionsgewalt in einem Film gesehen und Halle bringt jeden noch so gewagten Wechsel der Gefühle wahnsinnig realistisch auf die Leinwand. Ihr Charakter ist wirklich einwandfrei gespielt!

Sozusagen in einer Nebenrolle ist Sean Combs, den meisten als Puff Daddy oder Puffy oder wie auch immer bekannt, als Lawrence Musgrove. Seine Rolle ist nicht anspruchsvoll und er hat kaum Dialoge, daher kann ich nicht viel über seine Leistung als Schauspieler sagen und eine Meinung zu seiner Leistung als “Sänger” will ich nicht von mir geben und die würde hier auch nicht her gehören.

Regisseur

Bei einem solchen Film ist der Regisseur meist einer der Hauptverantwortlichen, da die Produzenten oft nur auf das Geld schauen und in diesem Fall wohl auch einfach nur das Geld gegeben haben und an sonsten Marc Forster freie Hand gaben. Marc ist vorher noch nicht sonderlich in der Filmwelt aufgefallen, sein Erstling “Loungers” und sein erster einigermaßen erfolgreicher Film “Everything Put Together” dürften kaum jemanden bekannt sein.

In Monster’s Ball zeigt er hingegen, wie elegant er Bilder, Dialoge und Musik kombinieren kann und dies alles gemeinsam auf den Betrachter fließen lässt, ohne dass dieser sich dessen wirklich bewußt wird. Bei der Entwicklung der Charaktere lässt er sich endlose Zeit, doch nie wird einem beim Zuschauen langweilig wird. Er schafft es einen Film gänzlich ohne Effekte oder Musikalischem Trara zu schaffen, der über einen natürlichen Spannungsbogen hinaus mit Wende und Enttäuschungen den Zuschauer in nahezu melancholische Stimmung versetzt.

Musik

Hierrüber lässt sich bei diesem Film recht wenig sagen, denn die Musik wirkt nur sehr spärlich begleitend auf die Bilder, untermalt nur teilweise die Harmonie oder Disharmonie der Szene. Geschrieben wurde der Score, also die Begleitmusik, von Asche and Spencer, einem Trio, welches vorher noch in keiner mir bekannten Weise in Erscheinung getreten ist.

Meinung

Wer in den Film geht um unterhalten zu werden, der wird garantiert enttäuscht. Es ist ein Film zum Nachdenken, zum mitreißen lassen, zum Nachdenken zum darüber sprechen. Auf jeden Fall muss man den Film eine Weile auf sich wirken lassen, um seine ganze Kraft zu begreifen.

Den Film in eine Gattung einzuordnen fällt mir relativ schwer, genauso wie eine bestimmte Empfehlung auszusprechen. Am ehesten ist der Film ein Drama, ein wenig ein Liebesfilm, keinesfalls eine Komödie oder Actionfilm. Es fließt kaum Blut, Szenen der Gewalt werden zwar dargestellt, aber nicht übertrieben. Einzig die eine Sexszene dürften manche als etwas zu gewagt befinden, aber vielleicht wird die ja auch noch für Deutschland etwas gekürzt.

Empfehlung für alle über 16, die gern Filme schauen, die zum Nachdenken anregen.