Alles hat ein Ende nur dieser Film hat 2

2002-10-04

kpaxDie Überschrift klingt zwar etwas eigenartig, denn wie kann ein normaler Film 2 verschiedene Enden haben, aber K-Pax schafft es ein Ende zu erschaffen, welches 2 Interpretationen (evtl. auch mehr) offen lässt, so dass eigentlich für jeden etwas dabei ist.

Story

Am Bahnhof von Manhatten (NY) taucht ein Mann namens Prot, gesprochen wie das englische goat, (Kevin Spacey) auf, der sich ziemlich merkwürdig benimmt und irgendwie ein bisschen unzurechnungsfähig wirkt. Da es trotz aller Voruteile nicht zu den gewöhnlichen Eigenschaften von NewYorkern gehört, die Sonnenbrille auch in geschlossenen Räumen zu tragen und diese nicht absetzen zu wollen, wird er erst einmal eingeliefert.

Der „behandelnde“ Arzt Mark Powell (Jeff Bridges) unterhält sich mit Prot und erfährt, dass Prot ein Außerirdischer vom Planeten K-Pax ist. Nach anfänglicher Verwirrtheit, beginnt Mark die Geschichte von Prot zu glauben, allein schon, weil dieser über Wissen aus der Astrophysik verfügt, welches eigentlich kein Erdenbürger kennen kann. Als Prot dann ankündigt am 27. Juli wieder nach Hause zu gehen, schaltet Mark und glaubt dass in der Vergangen heit von Prot an diesem Datum etwas passiert ist, was ihn „zu einem Ausserirdischen“ machte, im geistigen Sinne. Mark stellt Nachforschungen an und erfährt von Prot unter Hypnose seltsame Dinge, die ihn der Lösung näher bringen. Doch irgendwas stimmt immer noch nicht, denn Prot reagiert ganz gelassen auf die Ermittlungen von Mark und scheint sich seiner Sache sicher zu sein.

Neben dem Haupthandlungsfaden spielen noch die kleinen Charaktere in der Heilanstalt, in der Prot wohnt, eine interessante Rolle. Hier findet man die unterschiedlichsten Charaktere und sie alle sind oder werden Freunde von Prot, weil Prot sie versteht und ihnen sogar hilft sich selbst zu heilen.

Meinung zur Story

Gene Brewer, der Autor der Geschichte, welche hier von Iain Softley verfilmt wurde, hat mit dem Buch K-PAX einen Dreiteiler eingeleitet, der leider momentan nur in englischer Sprache als Buch verfügbar ist. Ich habe mir auf jeden Fall mal die Bücher bestellt, mal schauen wie Teil 2 und 3 der Geschichte um Prot verlaufen.

Der Film überzeugt einfach mit absoluter Schlüssigkeit der Dialoge, es ist eine Art Versteckspiel zwischen Mark und Prot, in dem Prot hin und wieder ein paar Hinweise gibt, ob nun bewusst oder unbewusst ist dabei eigentlich unerheblich, denn der Charakter des Spieles zwischen den beiden ist klar. Prot ist der Überlegene, ahnt jede Reaktion im Vorraus und versteht es durch kurze Äußerungen andere in absolute Ratlosigkeit zu versetzen.

Das genialste ist der Bogen den die Geschichte verläuft. Während man als Zuschauer anfangs annimmt, dass es sich um einen SF-Film handelt, bekommt man später daran arge bedenken und meint es könnte sich eher um eine Komödie handeln. Wiederum weiter in der Story spitzt sich das ganze als Drama oder Thriller zu und stürzt einen dann in Abstruse Vermischungen aus Thriller, Krimi, Drama, Komödie und SF-Film und schickt einen dann zum Schluss des Film in einen tiefen Sessel der Faszination und Ratlosigkeit.

Inhaltsmäßig ist der Film aber noch wesentlich anspruchsvoller, denn zum einen hinterfragt er die Möglichkeit vom Leben auf anderen Planeten, die Möglichkeit des Reisens mit Überlichtgeschwindigkeit (sehr schöne Szene in der Prot Einsteins These analysiert) und zum Anderen philosophiert der Film über Selbstheilung über psychische Erkrankungen und die Unfehlbarkeit von Ärzten. Wenn man es von dieser Seite her sieht ist der Film sowas von komplex, dass es eigentlich gar nicht in die 120 Minuten hinein passt.

Eines ist auf jeden Fall sicher, der Film ist genial und wird definitiv in meiner DVD Sammlung landen.

Die Schauspieler

- Kevin Spacey (Prot) -
Kevin Spaceys Filme sind eigentlich immer sehenswert, er ist für mich DER Schauspieler der 90er und auch darüber hinaus und auch in diesem Film zeigt er sich wieder von seiner besten Seite. Was er in K-Pax leistet kann man gar nicht mit einfachen Worten umschreiben, denn den Character des Prot bringt er sowas von überzeugend herüber, man nimmt ihm jede Nuance sofort ab. Er IST der Außerirdische Prot, der auf der Erde ist um einen schönen Reisebericht zu schreiben. Göttlich ist die Szene in der er mit einem sehr interessierten und dankbaren Gesicht eine Banane mit samt Schale ißt, Cinema sagte er, dass es gar nicht so schlimm war, er aber trotzdem froh gewesen ist, dass die Szene nicht zu oft gedreht werden musste und er froh sei, dass es keine Ananas war.

Auch einzigartig ist Spaceys schauspielerisches Talent, sich wirklich vollständig in einen Charakter zu verwandeln, sich einen für diesen typischen Gang zuzulegen, die Sprechart anzupassen und auch so zu denken und gerade diese Eigenschaft macht ihn für diese Rolle wie geschaffen und ich hoffe mal, dass er dafür auch ein bisschen ausgezeichnet wird.
- Jeff Bridges (Dr. Mark Powell) -
Von Jeff Bridges habe ich eigentlich auch hauptsächlich gute Filme in Erinnerung, obwohl er kein so typischer Charakterdarsteller ist wie Spacey. Bridges spielte beispielsweise in Big Lebowski den Dude oder den Michael Faraday in Arlington Road, beides geniale Filme.

In K-PAX spielt Bridges den etwas verwirrten, familientechnisch etwas überforderten Dr. Powell und irgendwie scheint er an der Seite von Spacey völlig zu verblassen. Eigentlich ist er im Film nur Gesprächspartner von Spacey, geht neben ihm völlig unter. So geht es aber sehr vielen Schauspielern neben Spacey, man kann es Bridges also nicht als Vorwurf machen. Er bringt seinen Charakter wirklich gut herüber und sorgt doch für den ein oder anderen Schmunzler, vor allem bei seiner Unfähigkeit in Familiendingen.

Meinung Film

Nun hab ich mich ja schon ein wenig über die Story und die Schauspieler ausgelassen, aber ich möchte trotzdem noch über etwas weiteres schreiben. Die Gesamtheit des Filmes ist ein harmonisches Spiel aus Phantasie, Licht und Wissenschaft. Es wird sehr stark mit Lichteffekten gearbeitet und, um die Atmosphäre mancher Szenen zu verstärken, auch mit Farbfiltern. Der Film der dabei geschaffen wurde ist nicht nur ein filmisches Kunstwerk, sondern stellt auch viele Fragen, die man sich beim Verlassen des Kinos immer wieder vor Augen hält. Gibt es Leben auf anderen Planeten? Was hält die Wissenschaft vor uns zurück? Gibt es dafür einen Oscar? Und die vielleicht wichtigste Frage: Wer ist Prot? Dies lässt der Film nämlich recht offen, gibt nur eindeutige Lösungsvorschläge, deren Interpretation aber wiederum je nach Ideologie jedem selbst überlassen bleibt.
Meinung im Vergleich mit dem Buch
Nun hab ich mir auch das dem Film zugrunde liegende Buch durchgelesen und muss einfach auch dazu noch einen Kommentar abgeben.

Im Buch K-PAX, welches bisher nur in Englisch erschienen ist, wird die Geschichte von Prot anhand der Sitzungsprotokolle vom Dr. erzählt. Dies hat unter anderem den Vorteil, dass man hier ganz klar zwischen Gedanken des Professors und wirklich geschehendem unterscheiden kann, was im Film bisweilen schwer fällt.

Ein weiterer Unterschied der zwischen Film und Buch besteht ist die Komplexität. Das Buch geht, im Gegensatz zum Film, wesentlich detailierter auf medizinische Begriffe ein, was wie ich finde ein absoluter Mangel des Filmes ist. Auch wird die Hypnose viel intensiver benutzt und auch realistischer dargestellt, als es im Film der Fall ist. Des weiteren findet man im Buch weitere wichtige Charaktere, wie beispielsweise eine Reporterin, die die eigentlichen Recherchen über Prots wahre Identität macht, das fand ich im Film nämlich recht unglaubwürdig, dass der Doktor selbst durch das Land reist. Der vielleicht größte Unterschied zwischen Film und Buch ist der, dass im Buch das Ende keineswegs offen bleibt, sondern ganz klar im letzten Kapitel die Geschichte von Prot/Robert erklärt wird und auch psychologisch bewiesen.

Nach dem Lesen des Buches, zu welchem es im übrigen auch noch 2 weitere Teile gibt, bin ich vom Film eigentlich eher enttäuscht. Der Film lässt viele Möglichkeiten aus, die das Buch geboten hätte. Doch ich denke, dass Gene Brewer, der ausführender Produzent des Filmes war, das genau so gewollt hat. Er wollte etwas anderes, keine dieser unsäglichen Buchverfilmungen, sondern etwas eigenes, das allerdings auf dem Buch basiert. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist ihm das vollkommen gelungen, auch wenn ich denke, dass die anderen Bücher wohl nach dem Flop an den Kinokassen nicht verfilmt werden.
Was bleibt ist der Eindruck eines genialen Filmes, der nicht so flach wie mancher Hollywoodschmalz ist, aber trotzdem zu amüsieren weiss. Meine Empfehlung an alle Cineasten, an Fans von Kevin Spacey Filmen und an Leute die gern nach dem Film noch zusammensitzen und sich gegenseiten den Film erklären…