Fast ein Krimi

2002-11-12

Mord nach Plan / Murder by NumbersWas macht man, wenn einen die Highschool nicht fordert, einem ständig langweilig ist und man sowieso gerade nichts besseres zu tun hat? Richtig, man bringt jemanden um! Damit man aber nicht geschnappt wird, baut man sich mit seiner überschüssigen geistigen Energie den perfekten Plan, wie perfekt wird sich noch heraus stellen…

Story

Richard (Ryan Gosling) ist nicht nur der Mädchenschwarm der Schule sondern, im Gegensatz zu seinen landläufigen Pendants, auch noch richtig intelligent. Justin (Michael Pitt) ist nicht nur intelligent, sondern wie sonst auch der übliche Looser. Eigentlich sollten die beiden nichts gemeinsam haben, aber genau das ist der Plan. Die beiden sind seit langer Zeit durch ihren Intellekt verbunden dabei einen perfekten Mord zu planen, einen bei dem die Indizienkette genau zu einem Mörder führt, nur halt nicht zu ihnen. Eigentlich wollten sie den Mord ja nur planen, aber Richard bedrängt Justin zusehends und so kommt es zur Ausführung ihres Planes. Detective Cassie Mayweather (Sandra Bullock) wird auf den Fall angesetzt und während ihr Partner Sam (Ben Chaplin) schnell den Indizien glaubt, wittert sie mehr und traut den beiden nicht ganz.

Meinung zur Story

So kurz, unkompliziert und genial hätte man die Story bleiben lassen können. Es wäre einer der genialsten Krimis der letzten Jahre geworden, doch nein, Tony Gayton, der Schreiberling, dachte sich, dass man da doch bestimmt noch mindestens eine Nebenhandlung hinein packen könnte und ein dunkles Geheimnis und solcherlei Krams. Toll gemacht. Dank seines genialen Einfalles, erleben wir also nun ein Wechselspiel zwischen dem Mordfall und der „düsteren“ Vergangenheit von Cassiem, welche aber wirklich völlig überflüssig ist. Nunja, dies erstmal allgemein zur Gesamtstory des Filmes, ich will mich mal nicht weiter ärgern und euch meine Meinung zu der Hauptstory kundtun.

Der Film beginnt schonmal total unlogisch mit dem, wie sich ganz zum Schluss herausstellt, Ende des Filmes und fängt wechselt dann in mehreren Erzähl- und Zeitebenen immer mal zwischen Aufklärung des Mordes, Planung des Mordes, Ausführung des Mordes und der Leidensgeschichte von Cassie hin und her. Ansich ist das wirklich nicht schlecht gemacht, es ist zwar kein klassischer Mitratekrimi, aber doch bleibt ein gewisser Teil der Spannung bis zum Schluss erhalten, da die Ausschnitte die man von der Ausführung des Mordes sieht immer nur das darstellen, was die Ermittlungen oder die Gedankengänge der Ermittler gerade ergeben.

Meinung zur Umsetzung

Der französische Regisseur und Produzent Barbet Schroeder, hat wirklich versucht das Drehbuch gut umzusetzen und wurde dabei garantiert sehr dem Druck des Warner Bros Studios ausgesetzt, schließlich ist es sein erster Hollywoodfilm. Die Umsetzung ist dann im Endeffekt ein wirklich typischer Hollywoodfilm, der aber irgendwie einen Touch des europäischen Kinos abbekommen hat. Sämtliche Klischees (Frau hat Probleme und spricht nicht drüber, genialer Plan geht wegen Mädchen in die Brüche, …) die man so oder in ähnlicher Form schon in diversen anderen Hollywoodproduktionen vorgesetzt bekam wurden mal schnell am Rand mit bedient, aber man merkt deutlich, dass der Regisseur diese Klischees nur am Rande bedienen will und sich eigentlich viel lieber auf die Hauptgeschichte stützen möchte und diese zur Perfektion treiben. Und so ist das Ergebnis dann ein genialer Krimi, in den zusätzlich noch zwei Liebesgeschichten und eine schlimme Kindheit hineingebastelt wurden. Ich könnte mir gut Vorstellen, dass ein wahrscheinlich nicht existierender Directors Cut eine halbe Stunde kürzer und um ein wesentliches besser wäre.

Meinung zu den Schauspielern

Ich kann ihn bald nicht mehr sehen, diesen Sandra Bullock Blick. Dieses leicht kindlich verstörte Lächeln, dass einem so vollkommen natürlich vorkommt, dass es einem Angst und Bange wird. Das Problem ist nur, dass ich keinen Film mit Sandra Bullock kenne in dem dieser Standardgesichtsausdruck jemals wirklich gepasst hätte. Ansonsten finde ich die gute Sandra eigentlich sehr gut, was ihre schauspielerischen Fähigkeiten angeht zumindest. Sie nimmt fast immer irgendwelche komplizierten Rollen an und wenn ihr gerade keine angeboten werden, dann führt sie eben selbst Regie… In Mord nach Plan hat sie dieses in ihr verborgene „Talent“ zum Glück nicht erprobt und sich auf die Schauspielerei beschränkt, was ihr durchaus gut gelungen ist. Ihre Rolle, der leicht Beziehungs- und Harmoniefeindlichen, weil in der Kindheit schweren Schock erlitten habenden, Polizistin spielt sie sehr überzeugend auch wenn sie gegen Ende des Filmes irgendwie ein bisschen zwischen irgendwelchen Rollen hin und her springt. Ich kann mir den Schluss nicht so richtig erklären, also ihre Darstellung gegen Ende des Filmes, denn hier ist sie, ohne dass der Charakter eigentlich eine wirkliche Wendung durchgemacht hat, von einer Szene zur nächsten total anders. Vielleicht ist das so gewollt, aber ich finde dann hätte diese Wende in der Darstellung schon wesentlich früher im Film kommen müssen, wo die eigentlich Wende für den Charakter sich ereignet.

Über Ben Chaplin muss man eigentlich nichts sagen, er ist und bleibt für mich ein absoluter Laiendarsteller, auch wenn diverse Zeitschriften und Filmverleihe ihn des öfteren schon gelobt haben. Seine bekannteste Rolle dürfte vielleicht die Rolle des Soldaten Jack in Der Schmale Grad gewesen sein, aber wenn man sich diese Darstellung dort anschaut und mit der von James Caviezel im gleichen Film vergleicht, sieht man gehörige Unterschiede. Auch in Mord nach Plan spielt Ben absolut steif und nüchtern seine Rolle, wie ein Werksarbeiter. Das ist für mich keine schauspielerische Leistung, da kann ich auch einen Soap Darsteller nehmen.

Michael Pitt ist für mich so eine art Schmalzfreier Leonardo DiCaprio, denn er sieht ihm nicht nur ein bisschen ähnlich, sondern könnte auch ähnliche Rollen spielen, nur eben wesentlich natürlicher und nicht so eklig gekünstelt wie die Schmalzlocke aus Capri das tut. Er spielt seine Rolle des Justin wirklich mit einer eisernen Kraft und geht dabei völlig in der Rolle auf, ohne gekünstelt zu wirken oder unglaubwürdig. Ähnliches kann man von Ryan Gosling behaupten, wobei zu seinem Charakter im Film ein bisschen das Gekünstelte gehört und er dies auch sehr realistisch darstellt.

Gesamtmeinung zum Film

Hier sehen wir mal wieder ein Beispiel dafür was wir den lieben tollen Hollywoodstudios, bzw. den großen Produktionsfirmen alles so verdanken. Absolut geniale Scripte werden mit den üblichen Hollywoodmerkmalen versehen, so dass der Film auch vom Massenpublikum verstanden wird und sich ja nicht als genialer Film, aber Kassenflop entpuppt, wie leider jüngst bei so genialen Filmen wie Memento und K-PAX geschehen.