Battle against the Free World

2003-01-08

feminem

Yo folks, back in da hood i’m tellin u from that big fat movie from that white ass Eminem.

Gut, jetzt aber in Deutsch weiter…

Ich war gerade im Kino im Leinwanddebüt von Eminem und bin hellauf begeistert, warum, weshalb und wieso erzähl ich euch sofort.


Story – aus der Gosse, komm ich her
Die Story könnte nicht passender auf Eminem von Scott Silver zugeschnitten worden sein. Weißer Junge aus Detroit, total verarmt, verliert einen Job nach dem anderen gibt aber nicht auf. Nachdem er seine Freundin verlassen hat, zieht er wieder zu seiner Mutter in den Wohnwagen, arbeitet im Presswerk und zieht mit seiner Clique durch die Schwarze Seite jenseits der „8 Mile“ (Straße die das Viertel der Ärmeren von dem der Reicheren trennt).

Sein Kumpel Future (Mekhi Phifer) will ihn unbedingt dazu bringen, dass er an den wöchentlichen Battles (dazu komm ich gleich noch) im Shelter (ner Kellerdisco) mitmacht, aber Rabbit (Eminem / Marshall Mathers), wie ihn seine Freunde und auch Feinde nennen, will nicht so recht und verpatzt auch gleich den ersten Gig und muss sich fortan als Looser von den Free World-(eine Gruppe von Neureichen Rappern)-Anhängern rumschubsen lassen.

Doch Rabbit hört auf einen seiner Kumpel, der ihm einen Plattenvertrag besorgen will und lässt sich auch ein bisschen bequatschen und sich sogar die neue Freundin Alex ausspannen. Nachdem er sich nichts mehr gefallen lassen will taucht er wieder im Shelters auf…
Battles – die Kunst mit Worten den anderen fertig zu machen
Battles sind eigentlich das, was unsere Eltern uns immer vorbeten, wie man Gewalt entgeht – mit Worten. Die Rapper haben sich dies auf die Fahnen geschrieben und machen sich absolut hart mit Worten nieder, dabei kommt es entweder vor Publikum darauf an den anderen richtig mies zu machen oder, im eigentlich Sinn der Sache, den anderen mundtot zu machen, ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache zu rauben. Hierbei sind sämtliche verbalen Angriffe erlaubt, aber eine quasi Bedingung ist es, dass sich die eigenen Sätze zumindest ein bisschen reimen. Schafft man es nicht seinen Kram in Reime zu fassen, dann wird man oft ausgebuht.

Es gibt bei Battles welche wettkampfartig ablaufen, aber auch, in Szenen im Film zu sehen, in „Freier Wildbahn“ sind sie mancherorts zu hören. Es gibt sogar Studiobattles, bei denen der „Kampf“ der beiden Kontrahenten die ganze Zeit aufgezeichnet wird und für die Nachwelt erhalten bleibt.

Im Film ist das ganze drumherum auch sehr gut umgesetzt, auch wenn die Sprüche teilweise etwas entschärft schienen, da hab ich wirklich schon wesentlich schlimmere Sachen gehört. Im Film fand ich es zum einen sehr gut, dass die Texte im englischen Original zu hören waren und man Untertitel eingesetzt hat, aber die Untertitel haben mir teilweise ganz und gar nicht gefallen, denn die waren ersten nochmals entschärft und zweitens inhaltlich falsch übersetzt. Nicht so toll fand ich, dass außer den Battles auch noch die ganzen Dialoge während und zwischen der Battles im O-Ton waren und sogar teilweise nicht untertitelt, dass dürfte für manche dann ein kleines Sprachproblem geben.
Schauspieler – glance ‘n’ glory
Eminem selbst las Rabbit war einfach Top, da kann ich echt an keiner Stelle ansetzen und sagen „mmh, da hätte man aber“ oder „das kam jetzt nicht so überzeugend rüber“. Einfach eine rundum perfekte Leistung, man konnte sich richtig in den armen Rabbit hinein versetzen wie ihn seine Probleme plagen und er es diesen Typen mal so richtig zeigen will.

Die zweite Hauptrolle, Kim Baisinger als Jimmy Rabbits Mutter Stephanie, war recht solide gespielt, verblasste aber in den emotionellen Parts der Rolle zusehends. Sie spielte einfach nicht überzeugend genug gegen Eminem an…

Mekhi Phifer spielte Rabbits Kumpel Future und ist eine Seele von Mensch, der sich wirklich und vor allem ehrlich um seinen Kumpel kümmert. Mekhi spielt diese Rolle mit einen sehr ausdrucksstarken Gemütlichkeit und ist zusammen mit Eminem wirklich ein klasse Team.

Evan Jones bzw. sein Charakter Cheddar Bob ist der weiße der Clique und ein absoluter Nervling, denn er haut ständig beschissene Kommentare dazwischen und spielt den absoluten Trottel, den man aber als Zuschauer irgendwie überhaupt nicht bemitleiden kann. Evan spielt seine Rolle entweder total überzeugend und hätte dafür einen Oscar verdient, oder er ist so schlecht dass es schon wieder gut ist. Ich denke eher Letzteres.

Die weiteren Schauspieler oder besser Darsteller verblassen eigentlich im Nebel der Bedeutungslosigkeit.
Musik – Grandioser Mix zwischen Hip-Hop und Score
Die meiste Musik und der komplette Score des Filmes kommen direkt von Eminem und sind einfach großartig und das sage ich nicht weil ich irgendein Fan von Eminem bin oder so, bin ich eigentlich eher gar nicht. Zur Unterstützung von E. Sind noch Dr. der, Jay-Z, Nas, Rakim, Kid Rock und Xzibit angetreten, welche mit rockigen Klängen die teilweise derb melancholische Stimmung voran treiben.

Wirklich meine Hochachtung vor der musikalischen Ausgestaltung der Szenen in welchen sanfte Klaviermusik mit Gitarrenriffs und dumpfen Schlagzeugrhythmen vermischt wurden. -> Soundtrack holen!
Gesamtüberblick
Der Regisseur Curtis Hanson hat uns ja eigentlich bisher kaum mit eindrucksvollen Werken überzeugen können, obwohl L.A. Confidential und The Wonderboys doch recht anspruchsvolle Regiestückchen waren und auch manchem von euch, vom Namen her zumindest, etwas sagen sollten. Mit 8 Mile hat er meiner Meinung nach seiner Karriere wieder einen gehörigen Boost verpasst, denn der Film ist einfach nur genial und im Gesamtkonzept einfach stimmig.

Es gibt zwar ein paar Kleinigkeiten die ich, wie eigentlich überall, zu bemängeln habe, aber die sind kaum der Rede wert. Der Film endet ein wenig zu knapp und leitet quasi direkt in das Leben von Eminem ein von welchem man evtl. ja in einem nächsten Film mehr zu sehen bekommt. Auch dass der Film ab 12 in Deutschland freigegeben ist kann ich absolut nicht gutheißen, denn neben ein paar doch recht eindeutigen Sexszenen ist die Sprache zwar in der deutschen Version etwas entschärft, aber es soll ja 12jährige geben die englisch können…
Fazit
Wenn ihr Zeit habt, geht in den Film denn auch Leute die HipHop und Rap etwas genervt gegenüber stehen, werden am Film ihre wahre Freude haben. Wer aber HipHop oder gleich die Person Eminem auf den Tod nicht ausstehen kann, der sollte dem Kino besser fern bleiben, denn das lohnt sich dann nicht wirklich.