Polizeieinsatz auf dem Urlaubsfilm

2003-03-03

Wenn in Köln die Einen sich besinnungslos saufen, ziehen Andere mit der Handkamera umher und filmen Polizisten die sich mit Plastikpistolen und Kinderbuchkriminalogie auf Verbrecherjagd befinden. Klingt spannend? Lest einfach weiter, wird nicht viel …

Serienüberblick

Mittlerweile in der 9. Staffel schufften sich die Seriendarsteller, man muss ja nicht wegen jedem Kamerahüpfer gleich von Schauspieler reden, durch die Kölner Wache, fuchteln mit Pistolen und Dienstmarken herum und versuchen ständig seriös zu wirken. Nun gut, Versuch macht klug und daher wechselt bei dieser illustren Runde von Waffenfuchtlern auch des öfteren die Besetzung. Neben der Besetzung blieb auch die Wahl der Themen und damit der “Fälle” der Wache nicht konstant auf einem Niveau. Während in den ersten Staffeln eher Einsätze im Großstadtrevierformat an der Tagesordnung waren, kann man nun auch des öfteren Patrick Bach bei der Ermittlungsarbeit sehen. Dementsprechend wurde auch die “Aktschn” realistischer und es fliegen nicht mehr zu Hauf in BluesBrothers-Manier Polizeiautos durch die Luft, die Handlung bleibt eher auf dem Boden der Realität und bietet als einzige Akrobatiknummern ab und an mal ein paar vor Autos laufende Passanten.

Zur musikalischen Untermalung dieser deutschen TV-Serie lasse ich mich mal nicht explizit aus, denn die unterscheidet sich eigentlich in keiner Weise von anderen Serien des Metiers. Teilweise Rhythmus-geladene Stimmungsmusik bis hin zu Nerven zerreißender absolut unpassender Szenenuntermalung findet man alles…
Meine Erlebnisse

Ich habe die Serie schon des öfteren durch Zufall gesehen, man bleibt halt ab und an mal “hängen”. Im großen und ganzen habe ich die meisten Folgen auch ohne tiefgehende Schäden überlebt, aber was ich letztens gesehen habe, hat mich so schockiert, dass ich nun doch mal ein bisschen darüber schreiben wollte.

Ein Beispiel

Also in der letzten Folge ging es um eines meiner Lieblingsthemen bei solcherlei Serien, Computerkriminalität. Das ist ja immer ein total heikles Thema, welches ich jetzt aber nicht weiter ausdehnen will. Die meisten TV Programme stellen aber absolut abstruse Behauptungen auf und zeigen sehr witzige “Viren” und ähnlichen Schabernack. Nungut, “Die Wache” also speziell einer von denen (Name vergessen) spielt den kleinen Zerocool (kennt jemand von euch “Hackers”?), ist auf der “richtigen” Seite des Gesetzes und faselt natürlich die ganze Zeit was von Hackerehre und allerlei Krams… lustig und naiv halt, so dass es der liebe RTL Zuschauer auch versteht. Gut, der Zuschauer wurde neugierig gemacht und kann nun auf die volle Härte des Gesetzes hoffen. Nicht so gut ist in dieser Hinsicht, dass die Schauspieler (tsts, jetzt hab ich das schlimme S-Wort doch benutzt) wohl total unvorbereitet in die Rolle des Polizisten oder Ermittlers gesteckt wurden, denn die sehen eher aus wie der erfolglose Versuch Zivis in Uniform zu stecken. Also von “Realismus pur” keine Spur in Sicht. Macht nix, das sieht man alles nämlich gar nicht…

Die Kameraführung

Ich kenne viele Arten von Kameraführung, viele schätze ich sehr, einige mag ich nicht und andere wiederum bereiten mir Kopfschmerzen. Zu den ersten Arten gehört eine ruhige Kameraführung, bei der man beispielsweise nicht zu viele Kameraschwenks und erst recht keine hecktischen Arten dergleichen. Schön, dass nicht alle so denken wie ich, denn Abwechslung muss ja sein. Die netten Kameraleutchens von “Die Wache” haben sich da für die drogengestörten Zuschauer etwas ganz besonders feines ausgedacht, die Urlaubskamera.

Das sieht dann etwa folgendermaßen aus: Spot auf Person 1, diese erzählt ein bisschen was, diese unnütz langweilige Zeit wird allerdings vom Kameramann durch illustres Schlenkern und Auf- und Abwippen der Kamera verschönert. Nun hören wir aus dem Off den Palaverbeginn der zweiten Person und um den weiteren Verlauf dieses Parts des Gespräches auch in eindrucksvolle Bilder bannen zu können holt unser hilfsbereiter Kameramann noch einmal Schwung, zieht dann leicht an der Person vorbei und pendelt sich mit 3-4 galanten Schwingern doch endlich genau in dem Moment auf der 2. Person ein, in dem die 1. wieder zu reden beginnt. Glaubt ihr nicht? Schaut es selbst an, ähm… oder besser nicht.
Neuigkeiten

Heute hab ich in den News folgenden Eintrag gelesen:

“RTL stellt seine langjährige Polizeiserie “Die Wache” ein. Das berichtet der kressreport in seiner aktuellen Ausgabe. Seit dem 10. März dreht die Produktionsfirma Endemol Deutschland in Köln die zwölfte Staffel der “Wache” – danach ist endgültig Schluss. Die letzte Klappe fällt am 14. Juni.
Auf dem Bildschirm ist das “Wache”-Team um Bernd E. Jäger van Boxen, Andrea Suwa, Aram van de Rest und Patrick Bach noch etwas länger zu sehen: Am 27. März läuft bei RTL zunächst die zehnte Staffel mit den Folgen 203 bis 210 an. “Die Wache” war im Januar 1994 gestartet. Laut kressreport erreichte die neunte Staffel zuletzt durchschnittlich 3,42 Mio. Zuschauer und einen Marktanteil von 17,1 % in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen.” <- Zitat Quotenmeter.de ->

Na das ist doch mal eine erfreuliche Mitteilung, vielleicht hätte es zwar auch gereicht die Kameraleute zu feuern, aber ganz weg ist noch besser.

Zusammenfassung

Eine Serie die man einfach nicht vergessen kann, was allerdings hauptsächlich an den langen Gesprächen mit dem Psychater liegen wird, der einen in mühseliger Arbeit von der Kopfwackelpsychose zu befreien versucht. Wer also dringend eine Schulbefreiung wegen Psychiaterbesuchen benötigt, kann gern mal Donnerstags um 22.15 Uhr bei RTL reinschauen (da laufen gerade die Wiederholungen 1998), empfehlen kann ich es dank lauen Schauspielern und Wackeldackelkamera absolut nicht.