Ein Film wie ein Regentag

2009-05-02

openwaterEs war mal wieder ein Sneakmontag, der Film wurde als unbedingt sehenswert angepriesen, also bin ich rein. Was dann folgte waren wohl die schlimmsten 80 Minuten Film die ich lange gesehen habe.

-] Story [-

Daniel, gespielt von Daniel Travis und Susan (Blanchard Ryan) wollen mit einem kurzen Tauchurlaub dem Alltagsstress entfliehen. Auf dem Tauchgang verzählt sich der Aufpasser und die beiden werden auf offener See (Open Water) vergessen. Erst am nächsten Morgen wird entdeckt dass die beiden fehlen und eine Rettungsaktion eingeleitet. Die beiden haben inzwischen die Nacht, Durst, Hunger, Übelkeit und Haiattacken hinter sich.

Die beschriebene Story ist nahezu komplett, lediglich das Ende habe ich weg gelassen. Dies zeigt schon einmal sehr schön was für eine tiefgehende Story man erwarten kann. Zugute halten muss man dem Drebuchautor und Regisseur Chris Kentis, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht.

-] Charaktere & Aufmachung [-

Ähnlich tiefgründig sind auch die Charaktere dargestellt. Man erfährt von den Hauptdarstellern lediglich, dass sie im Alltag gestresst sind und in einen Kurzurlaub fliehen. Trotzdem dauert diese Einführung der Charaktere nahezu den halben Film, was durch die absolut grausam verwackelte Kameraführung (Stichwort Authentizität) nicht zu einem Vergnügen ausartet. Die Bildqualität ist etwa mit der Qualität einer 600 EUR DigitalVideoKamera zu vergleichen. Überall Kompressionsartefakte, sehr verwaschene Farben und von Bildschärfe keine Spur. Der Film mutet von der Aufmachung her wie ein Blairwitch Waterproject an, wird wohl auch ein ähnliches Budget gehabt haben.

Nach gut einer halben Stunde sind dann die Hauptcharaktere im Wasser allein und erleben ihren ganz persönlichen Wahnsinn. Die beiden Schauspieler machen dabei ihre Sache wirklich gut, wirken sehr authentisch und zeigen wahre Gefühle. Die hier aufgestauten Spannungen kann man sogar im Kinosaal spüren. Da die anderen Charaktere des Films nahezu keinerlei Sprech- oder überhaupt -rolle spielen, verzichte ich auch hier auf Ihre Nennung.

-] Athmosphäre [-

Durch die billige Aufmachung wirkt der ganze Film, ähnlich wie Blairwitch Project recht authentisch. Auch die teilweise eingestreuten (evtl unabsichtlichen) Lacher zeigen, dass die Charaktere wirkliche Menschen mit Problemen sind, die jeder kennt.

Bsp (beide schon ein paar Stunden auf offener See):
Susan : Daniel, hast du gerade gepinkelt?
Daniel : Yep.
Susan : Du bist wirklich schlimm.
Daniel : Hey, du hast gesagt dir wäre kalt.
Ähnliche Dialoge gibt es zu Hauf und sorgen immer wieder für kleine Lacher aus dem Publikum, ändern aber weder etwas an der absolut depressiven Grundstimmung des Filmes, noch lockern sie das Geschehen auf oder bringen einen dazu mehr Mitleid und Anteilnahme den beiden im Wasser zuzubringen.

Die Schockeffekte sollte man natürlich auch noch erwähnen, schließlich will der Film ja eine Art Thriller sein. Ich glaube ich bin insgesamt 2x zusammengezuckt, das ist bei einem solchen Film sicher nicht viel. Das erste Mal, als recht unerwartet ein Hai auftauchte und dann noch einmal als Daniel mit der Taucherbrille nach unten schaut und direkt einem Hai ins ‘Gesicht’ blickt. Ansonsten stumpft man sehr schnell ab, was das ‘Haie tauchen auf’ Schocksyndrom betrifft. Irgendwann hat man halt geschnallt, dass da Haie sind.

Auch die Musik trägt ihren Teil zur schlechten Bewertung des Films bei. Die Mischung zwischen Haiitianischen (keine Ahnung ob das stimmt, klingt halt so) Ureinwohnergesängen und im Ansatz beklemmender “Psycho”-ähnlicher Klänge klingt so schrecklich schlecht, dass einfach keine beklemmende sondern eher genervte Athmosphäre erreicht wird.

-] Mein Gesamturteil [-

Sehr schlecht. Dieser Film sorgt für absolut miese Stimmung und kann einem so richtig den Tag versauen. Der Film ist keinesfalls etwas für Ängstliche, aber auch absolut nicht zum Kuscheln oÄ geeignet.
Wie der Film bei anderen so eine gute Bewertung bekommen konnte ist mir unverständlich, aber Geschmäcker sind ja, zum Glück, verschieden.

Also, keinesfalls in den Film gehen, es sei denn man steht braucht eine billige Mischung zwischen “Blairwitch Project” und “Der Weisse Hai 3″.